Die k.u.k. Oberststallmeister (1562-1883)

Der Oberststallmeister war einer der vier obersten Hofchargen nach der Hofordnung König Ferdinands I. 1538. Er war verantwortlich für das Erscheinungsbild des Hofes in der Öffentlichkeit. Damit war er auch verantwortlich für die Hofgestüte, Reitschule und Stallungen, den Fuhrpark und auch für das gesamte öffentlich tätige Personal.

Im Jahr 1883 publizierte das Oberststallmeisteramt eine Mappe mit Porträts und kurzen Würdigungen dieser Persönlichkeiten. Diese seltene Publikation, die sich auch in unserer Bibliothek findet (Adler-Signatur G-171.) wird hier veröffentlicht. [Nach einer Idee von Frau Dr. Christa Mache]

Erschienen: Wien 1883 im Selbstverlag des kaiserlichen und königlichen Oberststallmeisteramtes

Der Oberststallmeister war einer der vier obersten Hofchargen nach der Hofordnung König Ferdinands I. 1538. Er war verantwortlich für das Erscheinungsbild des Hofes in der Öffentlichkeit. Damit war er auch verantwortlich für die Hofgestüte, Reitschule und Stallungen, den Fuhrpark und auch für das gesamte öffentlich tätige Personal.

Im Jahr 1883 publizierte das Oberststallmeisteramt eine Mappe mit Porträts und kurzen Würdigungen dieser Persönlichkeiten. Diese seltene Publikation, die sich auch in unserer Bibliothek findet (Adler-Signatur G-171.) wird hier veröffentlicht. [Nach einer Idee von Frau Dr. Christa Mache]

EINLEITUNG

„Die kaierserlichen und königlichen Oberststallmeister 1562-1883.“ Die Träger dieser Hofwürde sind repräsentirt durch Mitglieder aus den ersten Familien des Reiches, aus jenen ruhmwürdigen Geschlechtern, die mit der Geschichte unseres Vaterlandes auf das Innigste verflochten sind un deren Geschichte selbst somit einen integrirenden Bestandtheil der Geschichte des Landes bildet.

Hiezu einen Beitrag zu liefern war der Zweck dieser Publication.

Zur würdigen Ausführung dieses Unternehmens war in erster Linie die Besorgung authentischer Porträte behufs Vervielfältigung derselben erforderlich; doch stellten sich der Lösung dieser Aufgabe nicht geringe Schwierigkeiten in den Weg.

Obwohl die kaiserliche und königliche Familien-Fideicommiss-Bibliothek in ihrer auserlesenen Porträtsammlung, welche sie in bereitwilligster Weise zur Disposition stellte, die Mehrzahl der gesuchten Bilder in schönen Exemplaren besass und auch die kaiserliche und königliche Hofbibliothek, wie das kaiserliche und königliche Belvedere ergänzend eintraten, blieben doch immer Lücken. Dieselben auszufüllen gelang nur durch die freundliche Unterstützung einzelner Familienmitglieder der genannten Würdenträger, welche, dem an sie gestellten Ersuchen gütigst entsprechend, theils Gemälde oder Stiche beistellten oder die Erlaubniss ertheilten, von statuarischen Darstellungen Copien machen zu dürfen. Von fünf im Texte bezeichneten Oberststallmeistern waren keine Porträte auffindbar.

Sämtliche Bilder wurden durch den akademischen Kupferstecher Ludwig Michalek als Kreidezeichnungen, welche sich im Besitze des kaiserlichen und königlichen Oberststallmeisteramtes befinden, ausgeführt, im Atelier des Photographen Victor Angerer durch Heliogravure vervielfältigt und durch die Officin des akademischen Kupferdruckers Franz Kargl im Drucke ausgeführt.

Der beigegebene Texte, in thunlichst knapper Form gehalten, basirt auf nachstehend verzeichnete Literatur:

Kaiserliches und königliches Haus-, Hof- und Staats-Archiv: Hof-Staat 1539-1659, Manuscript.
Kaiserliche und königliche Familien-Fideicommiss-Bibliothek: Liste nominale des Chevaliers de la Toison d’or depuis la fondation de I’ordre jusqu’à nos jours. Manuscript.
Kaiserliche und königliche Hofbibliothek: Die Hofzahlamtsbücher, 1544-1642. Manuscript.
Archiv des kaiserlichen und königlichen Obersthofmeisteramtes: Status 1642-1883.
Description: des Fürsten und Herrn Rudolfen des anderen, Römischen Kaisers etc. erstgehaltenen Reichstag zu Augspurg. Gedruckt zu Augspurg 1582.
Status partivularis Regiminis S. C. Majestatis Ferdinandi II. 1637.
Hof- und Staats-Schematismus. Wien, 1702. f. f. (Adler-Signatur W-819.)
Khevenhiller, Franz Christoph. Annales Ferdinandei. Leipzig, 1721.
Allgemeines historisches Lexikon. Leipzig, 1740.
Zedler, Johann Heinrich: Grosses Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste. Leipzig und Halle, 1742.
Wissgrill, Franz Karl: Schauplatz des landsässigen niederösterreichischen Adels. Wien, 1794. (Adler-Signatur W-250.)
Hübner, Johann: Genealogische Tabellen. Leipzig, 1744.
Weisskern, Friedrich Wilhelm: Topographie von Niederösterreich. Wien, 1769.
Hormayr: Archiv für Geschichte und Statistik. Wien, 1810.
Hellbach, Johann Christ.: Adelslexikon. Ilmenau, 1825.
Schwerdling, Johann: Geschichte des Hauses Starhemberg. Linz, 1830.
Münch, Ernst, Dr.: Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg. Aachen und Leipzig, 1830.
Megerle von Mühlfeld: Archiv für Geographie und Geschichte, Staats- und Kriegskunst. Wien, 1830.
Genealogisch-historischer Almanach für das Jahr 1832. Weimar.
Ersch und Gruber: Allgemeine Encyklopädie. Wien, 1836.
Vehse, Eduard, Dr.: Geschichte des österreichischen Hofes und Adels und der österreichischen Diplomatie. Leipzig, 1851.
Arneth, Alfred: Das Leben des kaiserlichen Feldmarschalls Grafen Guido Starhemberg. Wien, 1853.
Kneschke, Ernst Heinrich, Dr.: Neues deutsches Adelslexikon. Leipzig, 1859. (Adler-Signatur W-310.)
Stammbuch des Adels in Deutschland. Regensburg, 1863. (Adler-Signatur B-293.)
Wurzbach, Constantin, Dr.: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1866. (Adler-Signatur W-648.)
Falke, Jacob von: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein. Wien, 1877. (Adler-Signatur W-254.)
Gothaer Genealogische Handbücher, v. J. (Adler-Signatur R-3. bis R-9.)

Wien, Juli 1883.

Vom kaiserlichen und königlichen Oberststallmeisteramte.


Inhalt

 

Althan, Gundaker Ludwig Graf XXII
Althan, Michael Johann Graf XXI
Auersperg, Heinrich Joseph Johann Fürst XXIV
Auersperg, Volkard Freiherr von I
Cavriani, Ottaviano Conte (kein Bild) VII
Dietrichstein, Gundaker Graf XV
Dietrichstein, Karl Johann Walter Fürst von XXV
Dietrichstein, Leopold Ignaz Fürst XVIII
Dietrichstein, Philipp Graf XVII
Fürstenberg, Albrecht Graf (kein Bild) IV
Gonzaga, Don Hannibal Franz Maria Fürst von XIII
Grünne, Karl Graf XXIX
Harrach, Ferdinand Bonaventura Graf von XVI
Harrach, Franz Albrecht Graf von XIV
Kaunitz-Rietber-Questenberg, Dominik Andreas Fürst von XXVI
Khisl, Jacob, Graf von Gottschee IX
Khuen von Belasy, Rudolph II
Lamberg, Leopold Sigismund Fürst XIX
Liechtenstein, Georg Achatz Graf zu VIII
Mansfeld, Bruno Graf XII
Paar, Rudolph Freiherr von X
Salm und Neuburg, Maximilian Graf zu (kein Bild) V
Schwarzenberg, Adam Franz Fürst XX
Starhemberg, Franz Anton Graf XXIII
Thurn und Taxis, Emerich Prinz von XXX
Trauttmansdorff-Weinsberg, Johann Joseph Robert Fürst XXVII
Trivulzio, Claudius (kein Bild) III
Waldstein, Maximilian Graf XI
Wrbna von Freudenthal, Eugen Graf XXVIII

Volkard Freiherr von Auersperg

Das Porträt nach einer von Ludwig Michalek gefertigten Skizze der lebensgrossen Figur Volkard Auersperg’s auf dessen Grabmale in der Pfarrkirche zu Purgstall.

(I) 1562-1567: Volkard Freiherr von Auersperg (* 1530, † 31. Mai 1591)

Die »Auersperge« verliessen unter Kaiser Karl dem Grossen ihr Stammschloss in Schwaben »Auersperg, Ursperg« und liessen sich in Krain nieder. Um 1016 begleitete ein »Oderich von Auersperg« den vom Kaiser Heinrich II. für Aquileja ernannten Patriarchen Poppo nach Rom, erhielt nach seiner Rückkehr von dort das Kämmereramt des Patriarchates und erbaute in Friaul das Schloss Cucagna, nach welchem sich auch seine Nachkommen »Herren von Cucagna« nannten. Linien dieser Familie waren die Freschi, de Zacco, de Partistagno, de Valvasore, ferner die Barocci, Nobili zu Venedig und die Grafen de St. Phoca.

Volkard VII., 1438 geboren, ein Sohn Engelhard I., Herrn von Auersperg, gründete die österreichische Linie und trug bei dem Leichenbegängnisse Kaiser Friedrich III. (1493) den Helm. Er starb 1495 und hinterliess vier Söhne, von denen Sigismund II., vermählt mit Sabina Freiin von Rauber, zwölf Kinder zählte, hierunter den Sohn Volkard als Sechstgeborenen.

Volkard, 1530 geboren, erhielt seine Jugendausbildung in Wittenberg. Am Hofe Kaiser Ferdinand I. fungierte er als »Fürschneider« und wurde später zum k. k. Oberststallmeister ernannt. Ausserdem war er Erbkämmerer in Krain und der windischen Mark, unter Kaiser Maximilian II., der ihm 1573 in den Freiherrenstand erhob und unter die österreichischen Stände aufnahm, Regimentsrath und Kaiser Rudolphs II. Rath. Volkard besass in Niederösterreich die Herrschaften Weichselbach, Wolfpassing, Mainburg und Waasen, erwarb laut Kaufbrief ddo. 26. März 1578 von Ernst Grafen zu Ortenburg die »Veste und Grafschaft Peillnstein sammt dem Markt St. Leonhard am Forst mit aller Zugehör«. Im Jahre 1568 vermählte er sich mit Elisabeth, der Tochter des Wenzel von Hofkirchen, Freiherrn und Kollmünz und Dresidl, und der Anna von Mainburg, aus welcher Ehe die Söhne Sigismund Erasmus, Mathias Volkard, Karl Herbald und die Tochter Anna Sabina entsprossen.

Sein Ableben erfolgte am 31. Mai 1591 zu Baden bei Wien, wo er eben zur Heilung weilte. In der Pfarrkirche der Herrschaft Purgstall bei Wieselburg in Niederösterreich liess Volkard für sich und seine Gemahlin, noch bei Lebzeiten, ein schön gearbeitetes Grabdenkmal errichten, welches mit den lebensgrossen Figuren von ihm und seiner Gemahlin geziert ist, und wurden auch Beide hier beigesetzt.

Rudolph Khuen von Belasy zu Lichtenberg und Gandegg, Freiherr zu neuen Lembach (...-1581)

Das Porträt nach einem im Besitze der Frau Emilie Gräfin von Hundt auf Schloss Weikertshofen bei Dachau in Bayern (ehemals Eigenthum der Familie Khuen-Belasy) befindlichen Gemälde.

(II) 1567-1576: Rudolph Khuen von Belasy zu Lichtenberg und Gandegg, Freiherr zu neuen Lembach (* 1533, † 29. Juni 1581)

Ais Gründer dieses alttirolischen Geschlechtes gilt Egon oder Egino I. de Tramino, der 1185 lebte und den man allgemein den Kuen (Khünen) Ritter und hienach auch die Nachkommen die Khuen (Kühnen) nannte. Im 16. Jahrhundert kamen mehrere Sprossen dieses Geschlechtes nach Oesterreich und wurden hier ansässig. Die Herren von Khüau, Khuen, Khun, Kuen, Küen erlangten 1573 die Freiherren- und 1630 die Grafenwürde.

Rudolph Khuen von und zu Belasy und Lichtenberg, Freiherr zu Neuen Lembach (Lengbach), der erstgeborne Sohn Jacob Khuens des Aelteren und Magdalenens Fuchs von Fuchsberg, war 1559 Kaiser Ferdinand I. Vorschneider, erhielt die Kämmerer- und Geheimrathswürde und wurde zum k. k. Oberststallmeister ernannt. Kaiser Maximilian II., welcher ihn auch als Gesandten an den französischen Hof schickte, verlieh ihm, seinen Brüdern und Verwandten und der gesammten Descendenz mit Diplom vom 8. Mai 1573 den Freiherrenstand und erhob ihn mit Diplom vom 21. Juni 1573 unter Verleihung des Titels Freiherr zu Neuen Lembach in den Herrenstand. Khuen erbaute sich in Wien, gegenüber der Augustinerkirche, Ecke der Dorotheergasse, an der Stelle des von Grafen Eko Salm erkauften Hauses und Gartens, ein Palais, welches, ihm zu Gunsten, von Kaiser Rudolph II., auf die Fürsprache des Erzherzogs Ernst, »ganz gefreyet« und mit Diplom vom 22.  September 1578 zu einem ständischen Freihaus erklärt wurde (das heutige Pálffy’sche Haus). Seine Gemahlin, welche noch 1590 als Witwe lebte, war Maria Magdalena Freiin von Pálffy, Tochter des Peter Freiherrn von Pálffy und der Sophie Freiin von Dersffy.

Khuen starb am 29. Juni 1581 in Wien und wurde in der Collegiatkirche zu St. Dorothea, wo er für sich und sein Geschlecht eine Gruft gestiftet hatte, zur Erde bestattet.

 Kein Porträt auffindbar.

(III) 1577-1582: Claudius Trivulzio (* 1538, † 31. März 1591)

Trivulzio, Trivultio, ein altes lombardisches Geschlecht. In den Kämpfen der Mailänder mit Como um das Jahr 1120 that sich Paulinus, ein Sohn Paul Trivulzio’s, hervor und hinterliess zwei Söhne, Anselm und Donatus. Kaiser Rudolph erhob Karl Trivulzio, der Mundschenk war, in den Grafenstand. Anton Theodat Gaetanus Trivulzio, Gallius genannt, erhielt 1679 ein Reichs-fürsten-Diplom.

Claudius Trivulzio, ein Sohn des Eusebius Trivulzio, Grafen zu Melz und St. Florian, Freiherrn von Castelnuovo und Gouverneur von Calatrava, stand bei Kaiser Maximilian II. in diplomatischen Diensten und hatte Missionen an den Hof des Papstes und anderer italienischen Fürsten.

Unter Kaiser Rudolph II. wurde er zum k. k. Oberststallmeister ernannt und 1577 in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen.

Er starb [am 31. März 1591 in Prag, lt. Buch fälschlich 1590] und es erlosch mit ihm seine Linie.

Seine Tochter Margaretha, vermählte Lasso di Castilla, erbte von ihm die Herrschaft Mauer nächst Schönbrunn.

 Kein Porträt auffindbar.

(IV) 1584-1599: Albrecht Graf Fürstenberg (* 17. Mai 1557, † 13. September 1599)

Der Stammvater des Fürstenbergischen Geschlechtes, Egon Hego, lebte 670, ihm folgte Chuno, Graf zu Fürstenberg, welcher schon 748 als »Landgraf in Stühlingen« genannt wird. In dem von Kaiser Leopold I. dem Hause Fürstenberg 1644 ertheilten Reichsfürsten-Diplome heisst es: »Das von den Herzogen von Zähringen, Landgrafen von Eisass und Herzogen zu Allemanien hergekommene stattlich uralte Geschlecht der Grafen von Fürstenberg«.

Aus der Kinzinger’schen Linie stammt Albrecht I., der einzige Sohn Christoph I., geboren 17. Mai 1557, und erhielt 1568 durch Theilung die Herrschaften im Kinzinger Thale, nämlich Flausen, Wolfach, Haslach, Möhringen und Blomberg. Nach dem 1596 erfolgten Tode seines Vetters Grafen Heinrich VIII. gelangte er in den Besitz der Landgrafschaft Baar. Im Jahre 1576 begab er sich an den kaiserlichen Hof und wurde von Kaiser Rudolph II. zum kaiserlichen Rath, Kämmerer und k. k. Oberststallmeister ernannt.

Seine Gemahlin, Elisabeth Freiin von Bernstein, Tochter des böhmischen Kanzlers Wratislaw Freiherrn von Bernstein, mit welcher er sich 1578 vermählte, gebar ihm dreizehn Kinder, denen er in hingebender Liebe zugethan war, und an die er in seinem zu Prag den 13. September 1599 verfassten Testamente rührende Ermahnungen richtete.

Er starb an dem nämlichen Tage und wurde im Monate Jänner des folgenden Jahres mit grossem Prunke zu Marienhof (Neudingen) beigesetzt.

 Kein Porträt auffindbar.

(V) 1600-1602: MAXIMILIAN GRAF ZU SALM UND NEUBURG (* 14. April 1563, † nach 1602)

Den Namen Salm führten in sehr früher Zeit zwei Grafschaften, die gefürstete obere Grafschaft Salm im Westerreiche im oberrheinischen Kreise und die niedere Grafschaft Salm im Luxemburgischen. Beide standen ursprünglich einer Familie, der der alten Grafen zu Salm zu. Das jetzige Haus Salm stammt in männlicher Linie von den Wild- und Raugrafen ab, welche an der Nahe und auf dem Hundsrück angesessen waren. In alter Zeit bildeten diese zwei besondere Häuser, die sich aber im 15. Jahrhundert durch Vermählung vereinigten.

Heinrich VI., ein Sohn des 1040 verstorbenen Theodoricus, bekam in der Theilung die Grafschaft Salm in Lothringen und starb 1049; von ihm stammte im 11. Grade Johann III. ab. Dessen Enkel Johann V. ging 1431 mit Tod ab und hinterliess zwei Söhne, von denen der ältere, Johann VI., mit Anna von Harcourt zwei Söhne hatte, deren einer, nämlich Nicolaus, die Linie der Grafen zu Salm und Neuburg stiftete.

Nicolaus II. kam 1483 nach Oesterreich und wurde von Kaiser Friedrich zum Geheimen Rath und obersten Feldhauptmann ernannt, welche Ehrenstellen er auch unter Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. bekleidete. Vom Kaiser Maximilian erhielt er die Grafschaft Neuburg am Inn zu Lehen und starb am 4. Mai 1529.

Maximilian Graf zu Salm und Neuburg, der Sohn Nicolaus IV. aus dessen Ehe mit Catharina Gräfin von Isenburg-Büdingen, geboren am 14. April 1563, wurde kaiserlicher Kämmerer und k. k. Oberststallmeister.

Bruno Graf Mansfeld (1576-1644)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. Kilian scp.

(VI) 1603-1606 und 1622-1637: Bruno Graf Mansfeld (* 13. September 1576, † 1644)

Die »Mansfeld« sind ein altes thüringisches Herren- und Grafengeschlecht aus dem weiblichen Stamme der Grafen von Mansfeld des 9. Jahrhunderts, welche sich anfänglich »Edle Herren von Querfurt« nannten und zu den Reichsgrafen des Wetterau’schen Collegiums gehörten. Im Jahre 1691 erlangten sie den Reichsfürstenstand, welcher 1709 für Heinrich Franz, Fürsten von Mansfeld, mit dem Uebergange dieser Würde auf seines Bruders Sohn Karl Franz Grafen und Herrn zu Mansfeld und auf den Erstgeborenen desselben, mit Diplom bestätigt wurde. Das Geschlecht erlosch im Jahre 1780 und existirt der Name desselben nur noch als Anhängsel der Fürsten Colloredo.

Philipp Bruno Graf Mansfeld, der Sohn Philipps Grafen von Mansfeld, des Stifters der Bornstädtischen Linie, war am 13. September 1576 geboren, trat zur katholischen Religion über, kam an den kaiserlichen Hof, wurde zum Kämmerer, Trabantenhauptmann und später zum k. k. Oberststallmeister ernannt.

Im Jahre 1622 finden wir ihn anlässlich des Empfanges der kaiserlichen Braut Ferdinand II. in »Innsprug im Festzuge als obristen Stallmaister mit Schwartz-Sameten Wagen folgen«.

Nach der Krönung Ferdinands in Böhmen, 1627, liefert er über Allerhöchsten Befehl ein »Verzaichniss über die Herausreise und die Hochzeit tractiren was seinem Ambte gebühret«. Mansfeld war zweimal verheiratet; seine erste Gemahlin war Maria Manriquez de Lara, eine Spanierin, seine zweite Gemahlin Maria Magdalena, Tochter des Ferdinand Grafen von Törring, mit wrelcher er sich am 13. Juli 1636 vermählte; er starb im Jahre 1644.

 Kein Porträt auffindbar.

(VII) 1609-1613: Ottaviano Conte Cavriani (* um 1530, † 1618)

Die Cavriani stammen aus dem Herzogthum Mantua und wurde Conradinus 1359 vom Kaiser Karl zum Freiherrn ernannt. In Niederösterreich wurden selbe 1620 dem Herrenstande einverleibt und mit Diplom vom 10. März 1643 Friedrich Freiherr von Cavriani, Obersthofmeister der Gemahlin des Kaisers Ferdinand III., Eleonore von Mantua, in den Reichsgrafenstand erhoben. Derselbe hatte in Oesterreich die Herrschaft Unterwaltersdorf angekauft, welche zu einer Baronie erhoben und der ganzen Familie hiervon der Titel: »Freiherren von Unterwaltersdorf« verliehen wurde.

Ottaviano, der Sohn Friedrich Cavriani’s und Cornelia Copina’s, kam an den kaiserlichen Hof, diente 1579 als kaiserlicher Oberstlieutenant, wurde später zum Oberststallmeister Erzherzogs Mathias ernannt und bekleidete diese Stelle auch, nachdem der Erzherzog Kaiser geworden war. Im Jahre 1610 erlangte er die Stelle eines Hauptmanns der königlichen Kronherrschaft Ungarisch-Altenburg, und 1613 verlieh ihm Kaiser Mathias die Herrschaft Schöngrabern und die abgekommene Veste Schranne wand. Vermählt war Ottaviano mit Elisabeth Magdalena Freiin von Khuen, der Tochter des gewesenen Oberststallmeisters Rudolph Khuen; er starb am 27. Jänner 1618 ohne Descendenz.

 Kein Porträt auffindbar.

(VIII) 1613-1615: Maximilian Fürst Liechtenstein (* 6. November 1578, † 28. April 1643)

Die »Liechtensteine« zählen zu den ältesten Familien des österreichischen Adels. Die früheste urkundliche Spur, von hypothetischen Nachrichten abgesehen, findet sich im Saalbuche von Klosterneuburg aus der Zeit des Markgrafen Leopold III. (1125-1137), wo ein Hugo von Liechtenstein als Zeuge erscheint. Ditmar von Liechtenstein fertigte 1140 Adelrams von Waldeck Gründung des Stiftes Seckau, schenkte 1182 Klosterneuburg ansehnliche Güter und war der erste Erbkämmerer in Steiermark. Dessen Sohn Ulrich, der durch seine »Fahrten« berühmte Ritter und Sänger, ist der Stifter der steirischen (Murau), Heinrich der der mährischen (Nikolsburg) Linie. Durch Heiraten traten die Liechtensteine in Verwandtschaft mit den ersten Fürstenhäusern Europas. Dem Kaiser Ferdinand II. werden die Worte zugeschrieben: »So lange drei Steine (Herberstein, Dietrichstein, Liechtenstein) und drei Berge (Eggenberg, Starhemberg, Werdenberg) in Oesterreich bestehen, kann nimmer es zu Grunde gehen.«

Maximilian, Sohn Hartmann II., war am 6. November 1578 geboren, vermählte sich 1597 mit der zweiten Tochter und Erbin Johanns von Boskowitz, Catharina; die Ehe blieb kinderlos.

Anfänglich im Hofdienste, wurde er 1601 zum kaiserlichen Reichshofrath- und Kammerherrn, am 12. April 1608 zum obersten Feldzeugmeister bei der Armee, welche Mathias gegen Böhmen führte, ernannt und nahm dann 1612 an dem Kriege des Erzherzogs Ferdinand gegen die Venetianer Theil.

Im Jahre 1613 war Maximilian Kaiser Mathias’ Rath und Oberststallmeister und erhielt am 22. September 1614 in dieser Eigenschaft den Auftrag, anlässlich der Reorganisation des Kammerwesens auch für den Hofmarstall seine Anträge zu stellen.

Im October 1623 in den Fürstenstand erhoben, wurde ihm 1628 das Incolat von Böhmen verliehen und selbes in die böhmische Landtafel aufgenommen.

Plötzlich entsagte Maximilian dem Weltleben und liess zu Wranau bei Brünn 1633 Kirche und Kloster erbauen, um hier als Laienbruder seine Tage zu beschliessen; er brachte jedoch diesen Entschluss nicht zur Ausführung, denn im Jahre 1638 folgte er einem an ihn ergangenen Rufe, übernahm den Oberbefehl in der Festung Raab und wurde daselbst am 28. April 1643 vom Tode ereilt

Sein Leichnam wurde, wie er es angeordnet hatte, nach Wranau überführt und hier im Kleide des Paulanerordens beerdigt, in den er sich 1635 hatte aufnehmen lassen.

Jacob Khisl Graf von Gottschee (1565-1638)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche aus Franz Christoph Khevenhiller’s Annales Ferdinandei a. 1722.

(IX) 1616-1619: Jacob Khisl Graf von Gottschee (* 1565, † 1638)

Der Ahnherr des Geschlechtes, Veit Khisl, welcher um 1560 Bürgermeister von Laibach war, erlangte von Kaiser Ferdinand I. am 1. Juli 1554 den Adelsbrief, erbaute den Edelsitz Kaltenbrunn am Laibach und wurde am 15. Mai 1569 in den Ritterstand aufgenommen. Bei der Landschaft in Oesterreich unter der Enns war das Geschlecht 1624 dem Herrenstande ein verleibt, starb aber in den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts im Mannsstamme aus.

Johann Jacob Khisl, Graf von und zu Gottschee, Freiherr zu Kaltenbrunn und Gonowitz, ist 1565 als der Sohn des Hanns Freiherrn von Khisl und der Maria Paradeiser geboren, diente in seinen jungen Jahren im niederländischen Kriege und erlangte die Charge eines Oberstlieutenants.

Später wurde er Kämmerer des Erzherzogs Ferdinand und zum Hofkriegsrath und innerösterreichischen Kriegsraths-Präsidenten ernannt, versah längere Zeit die Stelle eines Amtsverwalters in Graz, bis ihm die Würde des k. k. Oberststallmeisters verliehen wurde. Ausserdem bekleidete er das Oberst-Erbland-Jägermeisteramt in Krain und der windischen Mark und war Erbland-Truchsess in Görz. Kaiser Ferdinand II. erhob ihn sammt seinem Bruder Karl in den Grafenstand mit dem Titel Graf von und zu Gottschee am 19. December 1622.

Vermählt war er mit Marie Freiin von Tannhausen, der Tochter des Conrad Freiherrn von Tannhausen und Witwe des Georg Bartholomäus Freiherrn von Zwickl.

Da die Ehe kinderlos blieb und er der letzte seines Stammes war, adoptirte er seinen Stiefsohn Georg Bartholomäus Freiherrn von Zwickl, welcher unter Führung des Namens Khisl Universalerbe ward.

Zu Anfang des Jahres 1638 starb Khisl in Wien.

Rudolph Freiherr von Paar (-1626)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche aus Franz Christoph Khevenhiller’s Annales Ferdinandei a. 1722.

(X) 1619-1620: Rudolph Freiherr von Paar (* …, † 1626)

Kaiser Friedrich erhob im Jahre 1170 die im Mailändischen und Bergamaskischen ansässigen Herren Belli-Boni oder Bellidori von Casino (Casnio) in den Reichs-Freiherrenstand und gab ihnen das Schloss und die Stadt Paare am rechten Serioufer in der Nähe von Clusone als Reichslehen.

Nach dieser Verleihung legten sie den früheren Namen ab und nannten sich Reichsfreiherren von Paar. Peter Josef Freiherr von Paar erwarb sich bei Einführung des Postwesens in Oesterreich grosse Verdienste, und Kaiser Ferdinand I. bestätigte ihm und seinem Bruder die von Kaiser Maximilian I. erlangten Privilegien. Er erwarb die Herrschaft Hartberg in Steiermark und erhielt 1570 von Kaiser Rudolph II. für den jedesmaligen Stammältesten das Erbland-Postmeisteramt in Steiermark. Das Oberst-Hof-Postmeisteramt für Oesterreich ober und unter der Enns wurde als Mannslehen von Kaiser Ferdinand II. dem Grafen Johann Christoph am 4. September 1624 verliehen.

Rudolph Freiherr von Paar, Herr zu Strakonitz, Commendator zu Fürstenfeld und Medling, Geheimer Rath und Kämmerer, ein Sohn des Johann Baptist Freiherrn von Paar und der Afra Sidonie Freiin von Haimb, wurde 1594 in den Malteserorden aufgenommen und vom Kaiser Ferdinand II. zum k. k. Oberststallmeister ernannt.

Er war berühmt durch seine ganz hervorragende Uebung und Tüchtigkeit in den Ritterspielen, stand in grossem Ansehen und erfreute sich der besonderen Gunst und Zuneigung seines höchsten Herrn. In späteren Jahren überschritt er jedoch die Gränzen seiner Stellung und musste in Folge dessen den Hof verlassen. — Um das Jahr 1620 fand eine Aussöhnung statt und erhielt er die »Obersten Stelle von Carlsstadt«. Im Jahre 1626 zum Grossprior des Malteserordens erwählt, starb er aber, ohne diese Würde in Besitz genommen zu haben.

Maximilian Graf Waldstein (1600-1654)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche aus Franz Christoph Khevenhiller’s Annales Ferdinandei a. 1722.

(XI) 1637-1642: Maximilian Graf Waldstein (* um 1600, † 19. Februar 1654)

Die Waldstein, Wallenstein, ein altes böhmisches Geschlecht, stammen von den Herren von Wartenberg ab, von denen Ralskos Sohn Zdenko, der 1236 starb, bei Turnau in Böhmem das Schloss Waldstein erbaute, von welchem seine Nachkommen dann den Namen führten.

Maximilian, Sohn Johann Karls, mit dessen Nachkommen die Ahnentafeln der Flauptlinien Waldstein und Wartenberg in dem Werke »Deutsche Grafenhäuser der Gegenwart« beginnen, kam in noch sehr jungen Jahren zu Hof, wusste sich dort sehr beliebt zu machen und wurde vom Kaiser Mathias zum Kämmerer ernannt; unter Kaiser Ferdinand II. wurde er »Oberster zu Ross und Fuss« und Stadtoberster zu Prag. Als der Kaiser den Hofstaat seines Sohnes Ferdinand einrichtete, wurde Waldstein als oberster Stallmeister und Kämmerer dem Könige zugetheilt, welche Würde er auch behielt, nachdem der Erzherzog als Ferdinand III. den Thron bestiegen hatte. Dieser erhob ihn in den Reichsgrafenstand. Waldstein war dreimal verheiratet: mit Catharina Gräfin Harrach, mit Maria Freiin von Talmberg und endlich mit Maximiliana Gräfin von Salm; er starb am 19. Februar 1654.

Georg Achatz Graf zu Losenstein (1579-1653)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. Seb. Jenef fec.

(XII) 1642-1651: Georg Achatz Graf zu Losenstein (* 1579, † 25. November 1653)

Die »Losensteine« sind ein altes steiermärkisches, von den alten Markgrafen oder Grafen von Steyer stammendes Herrenstandsgeschlecht, Eines Stammes mit dem Hause Starhemberg. Der Ahn der Ersteren war ein Bruder Gundaker III., der das Geschlecht Starhemberg fortpflanzte. Ein Dietmar von Losenstein wird 1230 urkundlich genannt. Der Stamm blühte bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts und erlosch im Mannesstamme 1692, worauf der Sohn der Schwester des letzten Grafen von Losenstein, Franz Karl Fürst von Auersperg, die hinterlassenen gräflich Losenstein’schen Stammgüter in Oesterreich 1704 an seine Familie brachte.

Georg Achatz Graf zu Losenstein, 1579 geboren, war niederösterreichischer Landmarschall, Geheimer Rath und Oberstjägermeister. Kaiser Ferdinand ernannte ihn zu seinem Oberststallmeister.

Losenstein war dreimal verheiratet, und zwar das erste Mal mit Anna Marie von Volkersdorff; nach deren im Jahre 1619 erfolgten Ableben vermählte er sich mit Catharina Anna Seemann, und als diese 1624 starb, das dritte Mal mit Francisca, der Tochter des Grafen Bruno III. zu Mansfeld.

Er starb am [25. November] 1653 [in Regensburg].

Don Hannibal Franz Maria Fürst von Gonzaga (1602-1668)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. J. Toorenvliet del Cor. Meyssens fec. Vienna.

(XIII) 1651-1655: Don Hannibal Franz Maria Fürst von Gonzaga (* 1602, † 2. August 1668)

Die »Gonzaga« leiten ihren Ursprung von Kaiser Lothar ab.

Hugo vermählte sich mit einer geborenen Gonzingi aus der Lombardei, deren Name später auf die ganze Familie überging.

Der Sohn –Hugos, Gerhard Gonzingi, Gonzaga, hat im Jahre 1009 als ein unmittelbarer Vasall des Reiches die Lehen empfangen.

Den langen Streit der Familie mit dem Geschlechte der Bonacossi um die Herrschaft in Mantua endigte Lodovico Gonzaga am 14. August 1328 und wurde Capitän von Mantua, als welchen ihn Kaiser Ludwig der Bayer bestätigte. Zum kaiserlichen Vicar ernannt, erwarb er seinem Hause die Herrschaft über Mantua, in dessen Besitz die Familie seit 1432 unter dem markgräflichen und seit 1530 unter dem herzoglichen Titel bis 1707 verblieb.

Don Hannibal Franz Maria Fürst von Gonzaga, Marchese di Mantua, der Sohn des im Jahre 1603 verstorbenen Ferdinando von Gonzaga, Fürsten von San Martino und kaiserlichen Generals, geboren 1602, wurde im Jahre 1651 zum k. k. Oberststallmeister ernannt, im selben Jahre am 16. Februar, als ein niederösterreichisches Landesmitglied unter die alten Herrenstandsmitglieder aufgenommen und am 6. März desselben Jahres introducirt, nachdem ihm früher die Geheimrathswürde und die Charge eines General-Feldzeugmeisters verliehen worden war.

Der Fürst, welcher auch durch die Verleihung des Ordens vom goldenen Vliess ausgezeichnet wurde, bekleidete eine Zeit lang die Stelle eines Obersten der Stadtguardia in Wien.

Nach dem am 29. August 1644 erfolgten Ableben seiner ersten Gemahlin Hedwig Maria Francisca, geborenen Herzogin zu Sachsen-Lauenburg, vermählte er sich das zweite Mal mit Maria Barbara Gräfin von Csáky.

Seine vier Söhne gingen ihm im Tode voran; er starb am 2. August 1668 [in Wien] und wurde in der Familiengruft, welche er in der Franciscanerkirche errichten liess, begraben.

Franz Albrecht Graf von Harrach (1624-1666)

Porträt nach einem im Besitze Seiner Erlaucht des Herrn Franz Ernst Grafen von Harrach in Wien befindlichen Oelgemälde.

 

(XIV) 1655-1658: Franz Albrecht Graf von Harrach (* 25. November 1624, † 23. Mai 1666)

Unweit Krumau in Böhmen stehen noch die Ueberreste der Stammveste dieses Geschlechtes »Harrahk«. Im 13. Jahrhunderte kamen die Harrach zuerst nach Oberösterreich, später nach Niederösterreich, wo sie zu Goggitsch ansässig wurden. Hanns Herr von Harrach, Bernhards Sohn, stiftete 1433 die Linie zu Goggitsch, die aber bald wieder erlosch. Urkundlich nachweisbar ist als der Aelteste Przibislaus von Harrach 1289 genannt. Leonhard III., gestorben 1527, kaufte 1524 die Herrschaft Rohrau, und von ihm entspross Leonhard IV., welcher den Reichsfreiherrenstand in das Geschlecht brachte und am 29. Mai 1559 das neu errichtete Oberst-Erbland-Stallmeisteramt des Erzherzoethums Oesterreich unter der Enns für sich und seinen Stamm erhielt. Ein Enkel desselben war der am 20. Juli 1627 in den Reichsgrafenstand versetzte Freiherr Karl von Harrach, dessen Herrschaft Rohrau am 6. November 1627 zur Reichsgrafenschaft erhoben wurde.

Franz Albrecht Graf von Harrach zu Rohrau, Herr der Herrschaften Köppach und Bruck an der Leitha, der jüngste Sohn Karl I., geboren 25. November 1614, war 1650 Senior des Hauses, oberster Erblandstallmeister in Oesterreich ob und unter der Enns, welches Erbamt er am 4. September 1651 bei der Erbhuldigung Kaiser Ferdinands III. versah. Von 1644-1649 war er Herrenstandsverordneter der Landschaft Oesterreich ob der Enns, wurde mit dem Orden des goldenen Vliesses ausgezeichnet und zum wirklichen Geheimen Rath und Oberstjägermeister ernannt.

Im Jahre 1645 erhielt er die Mission, mit dem Kurfürsten Maximilian von Bayern wegen Beistellung von Hilfstruppen für die kaiserlichen Erblande gegen die Schweden »zu tractiren«. 1655 wurde er nach Fürst Gonzaga zum k. k. Oberststallmeister ernannt.

Nach Zurücklegung dieser Hofwürde wiederholt als Botschafter verwendet, 1663 in Frankreich und 1665 in Spanien, erhielt er während seiner Mission in Spanien vom König Karl II. den Vliessorden.

Vermählt war Graf Harrach mit Anna Magdalena, der Tochter Karl Helmharts, Freiherrn von Jörger zu Tollet; er starb ohne Leibeserben am 23. Mai 1666 in Wien und wurde in der Harrachschen Gruft bei den Augustinern beigesetzt.

Gundaker Graf Dietrichstein (1623-1690)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche von Cornelius Meyssens, Wien, nach einem Bilde von Bloem.

(XV) 1658-1677: Gundaker Graf Dietrichstein (*1623, † 25. Jänner 1690)

Das Haus Dietrichstein stammt von den Grafen von Zeltschach, Blutsverwandten der alten Herzoge in Kärnten, von denen ein Dietrich das nach ihm benannte Bergschloss Dietrichstein im 9. Jahrhundert erbaute und dessen Namen auf die Nachkommen als Familiennamen übertrug. Reinpertus Dietrichstein wird 1004 als Besitzer des heute in Trümmern liegenden Stammschlosses genannt. Von seinen Nachkommen wurde Pangraz, gestorben 1508, vom Kaiser Maximilian I. 1505 mit dem Erbmundschenkenamte des Herzogthums Kärnten belehnt und durch seine Söhne Franz und Sigmund der nähere Stammvater aller Sprossen des Hauses. 1514 wurden die Dietrichsteine in Niederösterreich als Landesmitglieder den Herrenstandsgeschlechtern einverleibt. Auf Grund eines Diploms des Kaisers Ferdinand II. vom 26. März 1621, durch welches dem Fürsten Franz von Dietrichstein, Cardinal und Bischof von Olmütz, der Reichsfürstenstand nebst dem Titel »Oheim des Kaisers«, sowie die Ermächtigung verliehen worden war, zu seinem Erben und Nachfolger einen der Grafen und Herren von Dietrichstein oder einen Ändern einzusetzen und demselben mit kaiserlicher Genehmigung den Fürstentitel mit allen Rechten und Vorzügen zu übertragen, übertrug Kaiser Franz Joseph durch Cabinetschreiben vom 23. December 1868 und Diplom vom 20. März 1869 auf den Grafen Alexander von Mensdorff-Pouilly, Gemahl der Gräfin Alexandrina, des verstorbenen Fürsten Joseph von Dietrichstein’s Tochter, den Titel »Fürst Dietrichstein zu Nikolsburg« als erblichen Titel in der männlichen Linie nach dem Rechte der Erstgeburt, so dass dem jeweiligen Chef dieses neuen Fürstenhauses das Recht auf Titel, Namen und Wappen eines Fürsten Dietrichstein zu Nikolsburg und Grafen Mensdorff-Pouilly zusteht.

Gundaker Graf später Fürst Dietrichstein, Freiherr auf Hollenburg, Ritter des goldenen Vliesses, war 1623 geboren, trat zur katholischen Kirche über, widmete sich dem Staatsleben und fungirte wiederholt als Gesandter und kaiserlicher Minister. Im Jahre 1656, am 20. März, wurde er und sein Bruder Christian sammt ihrer Descendenz in den Grafenstand erhoben. Vom Jahre 1658 bis 1677 bekleidete er, nachdem er schon früher die Kämmerer- und Geheimrathswürde erhalten, die Stelle eines k. k. Oberststallmeisters.

Am 15. April 1684 wurde er vom Kaiser Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben und begüterte sich noch wreiter in Niederösterreich, wo er schon 1659 Merkenstein erworben hatte. Gundaker Graf Dietrichstein war zweimal verehelicht: zuerst mit Isabella Freiin von Questenberg und nach deren am 17. November 1685 erfolgten Tode das zweite Mal mit Maria Gräfin von Trautson. Nachdem beide Ehen kinderlos blieben, adoptirte er seinen Neffen Otto Ferdinand Thun von Dietrichstein, der sein Erbe wurde.

Im Jahre 1690 begleitete er Kaiser Joseph I. zur Königswahl und Krönung nach Augsburg, erkrankte jedoch daselbst und starb am 25. Jänner desselben Jahres; sein Leichnam wurde nach Oberhollabrunn in Niederösterreich überführt und in der Gruft der Kapuzinerkirche daselbst, einer seiner Stiftungen, beigesetzt.

Ferdinand Bonaventura Graf von Harrach (1637-1706)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. Mathäus Küsl S. C. M. sclpst.

(XVI) 1677-1699: Ferdinand Bonaventura Graf von Harrach (* 14. Juli 1637, † 15. Juni 1706)

Ferdinand Bonaventura Graf von Harrach zu Rohrau, Herr der Herrschaften Staufif, Aschach und Bruck an der Leitha, war Ritter des goldenen Vliesses, Erblandstallmeister in Oesterreich, Geheimrath und Kämmerer; wurde 1668 kaiserlicher Gesandter in Spanien, später Director des geheimen Staats-Conferenzrathes und 1677 k. k. Oberststallmeister, welche Würde er 1699 mit der des Obersthofmeisters Seiner Majestät vertauschte.

Bei der am 22. September 1705 von den niederösterreichischen Ständen dem Kaiser Joseph I. geleisteten Erbhuldigung versah er das Amt des Erblandstallmeisters.

Aus seiner Ehe mit Johanna Theresia Gräfin von Lamberg, welche am 4. Februar 1716 in Wien, als Witwe, im Alter von 77 Jahren starb, entsprossen vier Söhne und zwei Töchter; er starb am 15. Juni 1706 zu Carlsbad, wo er zur Erholung seiner Gesundheit weilte.

Philipp Graf Dietrichstein (1651-1716)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. W. Ernr. Priefer v. Miespach del. I. A. Pfeffel S. C. M. sclp. Aug. Vind.

(XVII) 1699-1704 und 1713-1716: Philipp Graf Dietrichstein (* 9. März 1651, † 3. Juli 1716)

Philipp Sigmund Graf Dietrichstein, am 9. März 1651 als jüngster Sohn Maximilians Fürsten von Dietrichstein aus dessen zweiter Ehe geboren, war Ritter des goldenen Vliesses, wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer, seit 1695 Hauptmann der Arcieren-Leibgarde und in zwei Perioden k. k. Oberststallmeister, das erste Mal von 1699 bis 1704 und das zweite Mal von 1713 bis 1716.

Der Graf war zweimal verehelicht: mit Maria Elisabeth Freiin von Hoffmann auf Strechau im Jahre 1680 und nach deren am 21. Jänner 1705 erfolgten Ableben mit Dorothea Josepha gebornen Freiin von Vlasdim, der Witwe nach Franz Anton Grafen Dietrichstein, welche am 31. Mai 1742 starb; der Graf selbst verschied am 3. Juli 1716 mit Hinterlassung von drei Kindern aus erster Ehe und wurde bei den Augustinern in Wien in der Familiengruft beerdigt.

Leopold Ignaz Fürst Dietrichstein (1660-1708)

Porträt nach einer im Besitze der Frau Fürstin Alexandrine Dietrichstein zu Nikolsburg befindlichen Lithographie. Carolus Agricola pinx. Robert Theer lith. Vindob. imp. J. Höfelich.

(XVIII) 1704-1708: Leopold Ignaz Fürst Dietrichstein (* 18. August 1660, † 13. Juli 1708)

Leopold Ignaz Fürst Dietrichstein, der Sohn Ferdinand Josephs, war k. k. wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer, Ritter des goldenen Vliesses und von 1704 bis 1708 k. k. Oberststallmeister.

Der Fürst vermählte sich am 15. Juli 1687 mit Maria Dorothea, der Tochter des Fürsten Karl Theodor Salm, und starb am 13. Juli 1708 zu Nikolsburg mit Hinterlassung einer Tochter und seiner Witwe, welche ihm am 29. Jänner 1732 im Tode folgte.

Leopold Mathias Fürst Lamberg (1667-1711)

Porträt nach einem im Besitze Sr. Durchlaucht des Herrn Gustav Fürsten Lamberg befindlichen Oelgemälde.

(XIX) 1709-1711: Leopold Mathias Fürst Lamberg (* 23. Februar 1667, † 10. März 1711)

Die Herren, jetzt Fürsten und Grafen von Lamberg, ein deutsches Adelsgeschlecht, hiessen früher, wie Jacob Freiherr von Lamberg in der Geschichte seines Hauses 1559 mittheilt, von Rittersberg. Einer dieses Geschlechtes, welcher an einem Fusse lahm war, erhielt den Beinamen »der Lahme«, und darnach wurden auch die Anderen »die Lamberger« genannt, welche Bezeichnung in der Folgezeit zum Familiennamen wurde.

Volrad I., Herr von Lamberg, gestorben 1177, und Walther von Lamberg werden in einem Stiftungsbriefe des Klosters St. Andrä an der Traisen 1161 angeführt.

Von Wilhelm I., welcher 1322 in der Schlacht bei Mühldorf für Kaiser Friedrich den Schönen gefochten, vermählt mit Juta von unbekannter Familie, beginnt die ordentliche Stammreihe des Geschlechtes, und der Sohn desselben, Wilhelm II., liess sich zuerst in Krain nieder. Casper III., gestorben 1544, erlangte mit seinen Brüdern 1492 den Freiherrenstand und für sich und seine Nachkommen das Oberst-Erbland-Stallmeisteramt in Krain und der windischen Mark.

Im Jahre 1524 wurde das Geschlecht bei der niederösterreichischen Landschaft dem Herrenstande einverleibt.

Leopold Mathias Fürst von Lamberg, Landgraf zu Leuchtenberg, Freiherr auf Orteneck und Ottenstein, war geboren zu Wien am 23. Februar 1667, als der älteste Sohn Franz Josephs Grafen von Lamberg; Kaiser Leopold I. war Taufpathe des Neugeborenen.

Graf Lamberg erfreute sich hoher Gunst bei Hofe und hatte das Glück, das Wohlwollen Kaiser Joseph I. bis an sein Lebensende zu geniessen. Er wurde demselben, während er Kronprinz war, als Kammerherr zugetheilt, 1692 Hofkammerrath und Oberstjägermeister, 1700 Ritter des goldenen Vliesses, 1707 für sich und die männliche Descendenz nach dem Rechte der Erstgeburt am 1. November in den Fürstenstand erhoben und nach dem Tode des Fürsten Dietrichstein 1708 zum k. k. Oberststallmeister ernannt; auch wurde ihm und seinen Erben die Würde des Erblandjägermeisters für Oesterreich ob der Enns verliehen. Am 11. Juli 1709 wurde er als freier des heiligen römischen Reiches Landgraf zu Leuchtenberg erklärt.

Seine Gemahlin Claudia Gräfin von Künigl, welche ihm am 5. December 1710 im Tode voranging, gebar ihm fünf Kinder.

Der Fürst starb zu Wien am 10. März 1711 und wurde in der Lamberg’schen Gruft bei den Augustinern beerdigt.

Adam Franz Fürst Schwarzenberg (1680-1732)

Porträt nach einer Lithographie des in der k. k. Hofbibliothek befindlichen Werkes »Ahnen-Saal der Fürsten zu Schwarzenberg«. Franz Stohl. Wien 1853.

(XX) 1711-1713 und 1722-1732: Adam Franz Fürst Schwarzenberg (* 25. September 1680, † 11. Juni 1732)

Das Geschlecht der Schwarzenberge hat den gleichen Ursprung mit den fränkischen Grafen von Seinsheim, trennte sich jedoch von diesen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und entwickelte sich selbständig.

Die Seinsheim reichen mit ihren Ahnen in das 10. Jahrhundert zurück; die Alemanenfürsten Erkinger und Berthold, die für ihren unbeugsamen Widerstand gegen ihren Schwager Conrad I. 917 zum Tode verurtheilt wurden, sind die Urahnen.

Conrad, Erkingers Sohn, baute im Ardennenwalde ein Schloss, welches »Sein neues Heim — Seinsheim« genannt und dessen Name später Familienname wurde; die Seinsheimer werden 938, 995, 1042, 1080 und 1165 als Turniervögte genannt. Erkinger VI. erwarb zu Anfang des 14. Jahrhunderts die Herrschaft Schwarzenberg in Franken und ist der erste Reichsfreiherr von Schwarzenberg.

Durch den Grafen Adolph kam der Reichsgrafen- und durch Johann Adolph 1637 der Reichsfürstenstand in die Familie, worauf 1671 die Herrschaft Schwarzenberg zu einer gefürsteten Grafschaft erhoben wurde, und Fürst Johann Adolph 1674 Sitz und Stimme im Reichsfürstenrathe erhielt.

Adam Franz Karl Fürst Schwarzenberg, ein Sohn des Fürsten Ferdinand Wilhelm Euseb aus dessen Ehe mit Maria Anna Gräfin von Sulz, war am 25. September 1680 zu Linz geboren. Bei den Krönungsfeierlichkeiten in Prag 1723 wurde ihm das Herzogthum Krumau neuerdings bestätigt mit der Bestimmung, dass der jeweilige Allodialbesitzer von Krumau aus dem Hause Schwarzenberg den Herzogstitel mit den damit verbundenen Vorrechten führe, und so erscheint Adam Franz Karl in seinem Hause als der erste Herzog von Krumau, welche Herrschaft ihm nach dem Tode seines Vaters und dem ausgetragenen Erbstreite zugesprochen wurde.

Nach dem Tode des Fürsten Lamberg wurde er an dessen Stelle im Jahre 1711 k. k. Oberststallmeister, welche Hofwürde er bis 1713 bekleidete und nach Michael Grafen Althan, seines Nachfolgers Tode, das zweite Mal, und zwar von 1722—1732 versah; im Jahre 1712 wurde er Ritter des goldenen Vliesses und wirklicher Geheimer Rath.

Der Fürst war seit 1701 mit Amalie Eleonore Prinzessin von Lobkowitz vermählt. Bei einer Jagd auf dem Schlosse Brandeis, am 10. Juni 1732, wo der Fürst durch einen aufspringenden Hirsch in die Schusslinie Kaiser Karl VI. gerieth, wurde er von diesem zu Tode getroffen und starb am folgenden Tage.

Sein einziger Sohn Joseph Adam pflanzte die fürstliche Linie fort.

Michael Johann Graf Althan (1679-1722)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. G. v. Mathaei ad vivum pnxt. et del. F. L. Schmidtner fec. Viennae.

(XXI) 1716-1722: Michael Johann Graf Althan (* 8. October 1679, † 16. März 1722)

Die »Althan«, ein schwäbisches Geschlecht, erkennen mit den alten Reichsgrafen und Freiherren von Thann, Schenken zu Winterstetten, und den Reichsgrafen Truchsessen zu Waldburg als gemeinschaftlichen Ahn Babo Grafen von Thann und Winterstetten an, welcher als reicher und tapferer Landesherr um 680 in Schwaben begütert war und in einer Schlacht wider Karl Martell um 719 fiel.

Dietmar von Thann, der 1216 und 1218 als Kreuzfahrer genannt wird und dem Herzog von Oesterreich, Leopold VI., dem Glorreichen, bei Ptolomais das Leben rettete, wurde nur der tapfere »alte Thann« genannt.

Herzog Leopold verlieh ihm hierfür sein eigenes Wappen mit A. T. (alt Thann) im Felde als Geschlechtswappen, und Conrad, gestorben 1254, der älteste Sohn Dietmars, führte den Namen »Althan« als Familiennamen.

Wolfgang, Wilhelms von Althan und der Anna von Bibra vierter Sohn, nahm zu Murstetten V. O. W. W. seinen Sitz und wurde vom Kaiser Ferdinand I. in den Freiherrenstand erhoben; er stiftete mit seiner Gemahlin Anna von Pöting das gräflich Althan’sche Haus in Oesterreich durch seine Söhne Christoph, Eustach und Wolfgang in drei Linien, nämlich zu Einöd, Zistersdorf und Waldreichs.

Im Jahre 1574 wurde das Geschlecht in den österreichischen Herrenstand aufgenommen.

Michael Johann III. Graf von Althan, zweiter Sohn Michael Johanns II., am 8. October 1679 geboren, begleitete als junger Mann 1703 den Erzherzog Karl, nachherigen Kaiser Karl VI., in der Eigenschaft als Dienstkämmerer nach Spanien und wurde von dieser Reise gewöhnlich »der spanische Althan« genannt.

Nach seiner Rückkehr aus Spanien, wo er die Würde eines Grand von Spanien erlangte, wurde er 1712 Ritter des goldenen Vliesses, wirklicher Geheimer Rath und erhielt am 19. Juni 1714 für sich und seine männliche Descendenz die erledigte Würde eines Reichs-Erbschenken; im Jahre 1716 wurde er zum k. k. Oberststallmeister ernannt.

Der Graf vermählte sich zu Barcellona am 12. Februar 1709 mit Maria Anna, gebornen Marchesa Pignatelli, Herzogin von Belriguardo, welche am 1. März 1755 starb, nachdem er ihr am 16. März 17 22 im Tode vorangegangen. Aus seiner Ehe stammten sechs Kinder.

 Gundaker Ludwig Graf Althan

Porträt nach dem im k. k. Belvedere befindlichen Oelbilde von E. Solimena (gemalt 1728), darstellend die Ueber reichung des Inventars der kaiserlichen Gemäldegallerie an Kaiser Karl VI. durch Gundaker Grafen Althan. Die Köpfe der beiden genannten Hauptpersonen sind von J. G. Auerbach gemalt.

(XXII) 1732-1738: Gundaker Ludwig Graf Althan (* 15. August 1665, † 28. December 1747)

Gundaker Ludwig Joseph Graf Althan, Sohn Christoph Johanns, Panier- und Freiherr zu Murstetten-Goldburg, geboren am 15. August 1665.

Graf Althan entwickelte eine weitverzweigte Thätigkeit und ist sein Name mit vielen unter der Regierung Kaiser Karl VI. entstandenen Schöpfungen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaften auf das Innigste verflochten.

Er war wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer, Hofkriegsrath, General der Cavallerie, General-Hofbau-Director und Oberinspector der kaiserlichen Maler- und Bildhauer-Akademie.

Unter seiner Leitung wurde der Prachtbau der k. k. Hofbibliothek ausgeführt.

Im Jahre 1739 wurde er Ritter des Ordens vom goldenen Vliess.

Der Graf war zweimal vermählt: seine erste Gattin war Maria Gräfin von Wratislaw, seine zweite Maria Gräfin von Althan. Aus der ersten Ehe stammten fünf Kinder, die jedoch alle früh starben, und erlosch mit Gundaker, nachdem die zweite Ehe kinderlos blieb, seine Linie.

Sein Besitz fiel nach seinem am 28. December 1747 in Wien erfolgten Tode an Michael Grafen Althan aus der Wenzel Althan’schen Linie.

Franz Anton Graf Starhemberg (1681-1743)

Porträt nach einem im Besitze Seiner Durchlaucht des Fürsten Camillo Starhemberg befindlichen Oelgemälde in Linz.

(XXIII) 1738-1742: Franz Anton Graf Starhemberg (* 30. Juli 1681, † 7. Mai 1743)

Jene Adelsgeschlechter, die zur Zeit der Babenberger nach Oesterreich kamen oder schon hier begütert erschienen, wurden, da eben ihrer zwölf waren, Landes-Apostelfamilien genannt; zu diesen Familien zählen auch die Starhemberge, die ihr Geschlecht bis auf die Mitte des 10. Jahrhunderts zurückführen, in welchem Ottokar I. der erste Markgraf in Steiermark war.

Der Erste der Familie, der urkundlich erwähnt wird, ist Gundaker de stira, welcher als Zeuge unter den Ministerialen Ottokars VI. aufgeführt ist, als dieser zwischen 1092 und 1112 die Kirche zu Haselpach, jetzt St. Magdalena bei Linz, dem Kloster Garsten schenkte. In Urkunden des 12. Jahrhunderts wiederholt sich der Name Gundaker de stira. Im Jahre 1198 endlich erhielt Gundakerus de steir von Wolfker, Bischof von Passau, das Schloss Wildberg bei Linz zu Lehen, das seither ununterbrochen in dem Besitze des Hauses Starhemberg geblieben ist. Auch soll dieser Gundaker den Bau der Burg Starhemberg bei Haag im Hausruckviertel begonnen haben, von welchem seine Nachkommen später den Namen erhielten. Im Jahre 12 38 kommen die Brüder Gundacher und Dietmar von Styre in einer Urkunde von Gleink, 1243 Gundacher de Storchinberg (Starhemberg) nebst Dietmar de stiera in einer Urkunde des Stiftes St. Florian vor. Um dieselbe Zeit trennte sich der Stamm in zwei Zweige. Von Gundaker stammen die oberösterreichischen Starhemberge, von Dietmar die Losensteine ab. Diese starben aber 1692 mit Franz Anton aus, und dessen weitläufige Besitzungen im Lande ob der Enns kamen durch Heirat an die Fürsten von Auersperg. Hans von Starhemberg zog im Jahre 1436 mit Herzog Friedrich von Oesterreich nach Palästina, sein Bruder Ulrich begleitete den Kaiser Friedrich IV. 1452 auf seinem Römerzuge und war unter den Edlen, welche der Kaiser auf der über die Tiber führenden Engelsbrücke zu Rittern schlug.

Die verschiedenen Linien des Geschlechtes erloschen alle nach einigen Generationen, bis auf die Erasmus I., geboren 1493, gestorben 1560, welcher das Geschlecht fortpflanzte.

Heinrich Wilhelm von Starhemberg wurde 1643 für seine als Obersthofmarschall geleisteten ausgezeichneten Dienste vom Kaiser Ferdinand III. in den Reichsgrafenstand erhoben, welche Standeserhöhung, auf das gesammte Haus Starhemberg ausgedehnt, die Bestätigung von Seite Kaiser Leopold I. erhielt.

Mit Georg Adam Grafen Starhemberg, dem fünften Sohne Konrad Sigmund Grafen Starhemberg’s, geboren 10. August 1724, gestorben 19. April 1807, wurde das Geschlecht gefürstet, indem dieser von Maria Theresia mit Diplom vom 13. November 1765 in den erbländischen Fürstenstand und von Kaiser Joseph II. mit Diplom vom 18. November 1765 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.

Franz Anton Graf Starhemberg, ein Sohn Gundaker Thomas Starhemberg’s, war zu Prag am 30. Juli 1681 geboren. Der Graf bekleidete nahezu alle Hofämter: er wurde 1713 Kämmerer, 1728 österreichischer Principalgesandter auf dem Reichstage zu Regensburg, 1733 Obersthofmeister bei der Erzherzogin Maria Theresia, wirklicher Geheimer Rath und 1738 Oberststallmeister.

Nach Zurücklegung dieser Hofwürde begleitete er im Jahre 1743 die Kaiserin Maria Theresia zur Krönung nach Prag.

Er war seit 25. November 1 714 mit Maria Antonia, der jüngsten Tochter des Vertheidigers von Wien bei der Türkenbelagerung 1683, Ernst Rüdigers Grafen Starhemberg, vermählt, welche ihm wenige Monate im Tode vorausging und drei Söhne und drei Töchter geboren hatte.

Der Graf starb am 7. Mai 1743 zu Prag.

Heinrich Joseph Johann Fürst Auersperg (1696-1783)

Porträt nach einem in der k. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek befindlichen Kupferstiche. Martin de Maydens pinxt. F. L. Schmitner sclpt. Viennae.

(XXIV) 1742-1765: Heinrich Joseph Johann Fürst Auersperg (* 24. Juni 1696, † 9. Februar 1783)

Heinrich Joseph Johann Graf Auersperg wurde nach dem im Jahre 1713 erfolgten Ableben seines Vaters Franz Karl Fürsten und Herzog zu Münsterberg, Kaiser Karl VI. wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer, zum Obersthofmarschall ernannt und 1739 mit dem Orden des goldenen Vliesses ausgezeichnet.

Nachdem er von 1742 bis 1765 Oberststallmeister war, wurde er zum Oberstkämmerer ernannt.

Vermählt war der Fürst seit 21. Mai 1719 mit Maria Magdalena Fürstin von Liechtenstein, und nach deren am 2. Juni 1724 erfolgten Tode mit Maria Xaveria, der Tochter des Johann Leopold Donat Fürsten von Trauttmansdorff seit 7. Mai 1726.

Der Fürst, welcher am 9. Februar 1783 das Zeitliche segnete, hinterliess aus seiner ersten Ehe einen Sohn und eine Tochter, aus der zweiten Ehe zwei Söhne und eine Tochter.

Karl Johann Walter Fürst von Dietrichstein (1728-1808)

Porträt nach einer im Besitze der Frau Fürstin Alexandrine Dietrichstein zu Nikolsburg befindlichen Lithographie. Carolus Agricola pnxt. Robert Theer lith. Vindobona. J. Höfelich imp.

(XXV) 1765-1807: Karl Johann Walter Fürst von Dietrichstein (* 27. Juni 1728, † 25. Mai 1808)

Karl Johann Walter Fürst von Dietrichstein, Proskau, Leslie, der Sohn des Fürsten Karl Maximilian, verfolgte anfänglich die diplomatische Laufbahn, war Gesandter am dänischen Hofe, bekleidete später, zum wirklichen Geheimen Rath ernannt, vom Jahre 1765 bis zum Jahre 1807 die Würde eines k. k. Oberststallmeisters und wurde 1767 Ritter des goldenen Vliesses.

Ausserdem vereinigte er in seiner Person auch die erbliche Würde eines Obersthof- und Landjägermeisters in Steiermark und die eines Oberstmundschenken in Kärnten.

Er hatte sich am 30. Jänner 1764 mit Maria Christina Josepha Gräfin von Thun vermählt und mit ihr, die am 4. März 1788 starb, acht Kinder erzeugt; seine zweite Ehe mit Anna Baldauf, die er am 23. Juli 1802 schloss, blieb kinderlos.

Der Fürst starb in Wien am 25. Mai 1808.

Dominik Andreas Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg (1740-1812)

Porträt nach einem im Besitze der Frau Fürstin Palffy, gebornen Gräfin Kaunitz, befindlichen Oelgemälde in Wien.

(XXVI) 1807-1812: Dominik Andreas Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg (* 30. März 1740, † 24. November 1812)

Die Anfänge des Geschlechtes der Kaunitz reichen bis in das 10. Jahrhundert und wohl noch weiter zurück. Dasselbe entspross dem alten böhmischen Ritterstamme, dessen Abkömmlinge zwei weisse Seeblumen im Wappen führen und sich die Namen Martinicz, Stoos, Kaunitz, Richnow, Talemberg u.s.w. nach ihren Schlössern beilegten.

Von Otto I., der um das Jahr 1140 lebte und das Schloss Kaunitz in Mähren erbaute, werden die Geschlechtsregister in den zwei Hauptlinien bis auf die Gegenwart in ununterbrochener Reihe fortgeführt.

Die Familie führte vom 13. bis Ende des 16. Jahrhunderts den Namen Stoos von Kaunitz. Maximilian Ulrich, der mit der Gräfin Ernestine Rietberg die mächtige Grafschaft gleichen Namens im westphälischen Kreise ererbte, nahm das Prädicat »Rietberg« an.

Marie Antonia, die viertgeborene Tochter Maximilian Ulrichs, heiratete im Jahre 1738 den Grafen Johann Adam Questenberg, den letzten Sprossen dieses Geschlechtes, welcher 1752 den Neffen seiner Gemahlin, den Fürsten Dominik Andreas Kaunitz, zu seinem Erben substituirte, mit der Bedingung, den Namen Questenberg zugleich mit dem der Kaunitz zu führen. Von da an schrieb sich die fürstliche Linie Kaunitz-Rietberg-Questenberg.

Dominik Andreas Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg, am 30. März 1740 [lt. Buch fälschlich am 2. Juni 1739] als dritter Sohn des Fürsten Wenzel Anton Kaunitz geboren, war von 1774 bis 1779 Botschafter am spanischen Hofe zu Madrid, wurde 1792 Ritter des goldenen Vliesses, am 23. Juli 1794 beeidet als Vice-Oberststallmeister und bekleidete die Würde eines wirklichen Oberststallmeisters von 1807 bis 1812 in welchem Jahre er am 24. November starb. [Beerdigt wurde er in Austerlitz]

Aus seiner Ehe mit Bernardina Gräfin Plettenberg, die am 22. December 1779 starb, entsprossen vier Kinder, und zwar drei Töchter und der Sohn Fürst Alois Wenzel, mit welchem die fürstliche Linie des Geschlechtes der Kaunitz im Mannsstamme erlosch.

Johann Joseph Robert Fürst Trauttmansdorff-Weinsberg (1780-1834)

Porträt nach einem im Besitze des k. k. Oberststallmeisteramtes befindlichen Kupferstiche. E. Lieder pxt. C. Pfeiffer sclpst.

(XXVII) 1812-1834: Johann Joseph Robert Fürst Trauttmansdorff-Weinsberg (* 18. März 1780, † 24. September 1834)

Trauttmansdorff, ein altes adeliges Geschlecht, dessen Ursprung sich in dunkler Sage in die Zeiten der Babenberger, der traungauischen Ottokare und der Kärntner Herzoge aus dem Hause Sponheim-Ortenburg verliert.

Die Veste Stüchsenstein (Stixenstein) V. U. W. W. bei Neunkirchen war der Sitz der Ahnen dieser Familie, der berühmten Stüchse, die nach ihrer Erwerbung von Trauttmansdorff sich Stüchse von Trauttmansdorff nannten. Ulric von Stauze kommt 1182 in einem Briefe des Leopoldistiftes als Zeuge vor, Hugo und Dietrich von Stuchssen werden 1214 in einer Urkunde von Klosterneuburg und zwei andere, Hugo und Dietrich Stohsen, 1269 ebenfalls in einem Documente dieses Stiftes genannt.

Albert Stuchs von Trauttmansdorff heisst in einem Patente Herzog Alberts I. 1292 »Strenuus vir«, ein anderer Albert war 1362 Zeuge bei dem Vergleiche Herzog Rudolph IV. mit den Königen Ludwig und Casimir von Ungarn und Polen, und Mert Stuchs von Trauttmansdorff wird in eben diesem Jahre in einem Freiheitsbriefe des Stiftes St. Pölten vom gedachten Herzog Rudolph IV. angeführt.

Kaiser Ferdinand II. erhob Sigmund Friedrich, Hanns David und Maximilian von Trauttmansdorff am 1. December 1620 in den Grafen-, Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1654 in den Reichsgrafenstand und Kaiser Franz I. den Zweig des Ferdinand Reichsgrafen von Trauttmansdorff im December 1804 nach dem Rechte der Erstgeburt in den böhmischen Reichsfürstenstand.

Johann Joseph Robert Fürst Trauttmansdorff, Sohn des Fürsten Ferdinand, geboren 18. März 1780, war vermählt mit Elisabeth Landgräfin von Fürstenberg, welche ihm vier Kinder gebar. Er war wirklicher Geheimer Rath, wurde 1812 zum k. k. Oberststallmeister ernannt und bekleidete diese Würde bis zu seinem am 24. September 1834 erfolgten Tode.

Eugen Graf Wrbna von Freudenthal (1786-1848)

Porträt nach einem im Besitze der Frau Francisca Gräfin Hardegg, gebornen Gräfin Wrbna, befindlichen Miniaturgemälde. Daffinger pnxt. 1834.

(XXVIII) 1834-1848: Eugen Graf Wrbna von Freudenthal (*4. September 1786, † 24. März 1848)

Das Geschlecht Würben, Wrbna, kommt schon im 13. Jahrhundert in vielen Urkunden vor, welche sein altes Ansehen und seinen Reichthum darthun.

Werboslaus, der als Ahnherr des Geschlechtes genannt wird, war ein Sprosse des »Drei-lilien-Geschlechtes«, der Herren Strackwitzer, und ging nach Frankreich, wo er sich 895 als tapferer Krieger hervorthat. Der König, der ihn »pro confratre« annahm, gab ihm zu seinen drei Lilien »auch noch seine drei zu«.

Im Jahre 1220 stifteten die Herren Wirben das Kloster Grisse in der Breslauer Diöcese, Stephanus de Wirbenaw und mehrere seines Stammes stifteten 1226 das Kloster zu unserer lieben Frau »im Walde« zu Schweidnitz (jetzt mitten in der Stadt gelegen). Zu Schloss Reissen, Rydzin, jetzt fürstlich Sulkowski’scher Ordination, blühte Jahrhunderte hindurch ein Hauptzweig des grossen polnischen Hauses Lulin, die Grafen Werbno-Rydzinski, welche mit den schlesischen Würben und böhmischen Wrbna einerlei Wappen führen.

Das älteste schlesische Stammhaus des Wrbna’schen Geschlechtes ist Würben bei Schweidnitz, welches sie selbst an das Kloster Grüstau verschenkten. Später besassen sie die Herrschaft Freudenthal oder Bruntali im Fürstenthum Troppau, seit 1439 die Herrschaft Hultschin ebendaselbst.

Nachdem sich bei dem Geschlechte Würben mehrere Jahrhunderte lang die Grafenwürde vererbt, ward Johann Stephan Graf von Würben und Freudenthal, Freiherr zu Hultschin, Landeshauptmann des Fürstenthums Troppau, und sein Sohn Wenzel, kaiserlicher Geheimer Rath, vom Kaiser Ferdinand II. in den Reichsgrafenstand erhoben, oder wie das Diplom von 1642 sagt: »ihre reichsgräfliche Würde erneuert«, 1628 hatten sie bereits in einer goldenen Bulle verschiedene Begnadigungen und Freiheiten erhalten.

Eugen Graf Wrbna von Freudenthal, Herr der Herrschaften Horzowitz, Komorau und Giemitz in Böhmen, geboren 4. September 1786, wirklicher Geheimer Rath, Kämmerer und von 1834 bis 1848 Oberststallmeister, war vermählt mit Barbara Gräfin von Erdödy, aus welcher Ehe sieben Kinder stammten. Der Graf starb am 24. März 1848.

Karl Graf Grünne (1808-nach 1875)

Porträt nach einem im Besitze der Frau Gräfin Caroline Szechenyi, gebornen Gräfin Grünne, befindlichen Oelbilde von Schrotzberg.

(XXIX) 1849-1875: Karl Graf Grünne (*25. August 1808, † nach 1875)

Die Grafen von Grünne entstammen dem alten niederländischen Geschlechte der Herren von Hemricourt, welches schon im 12. Jahrhunderte in der damals sogenannten Hasbaye, einem beträchtlichen, am linken Maasufer gelegenen Theile des Lütticher Landes blühte, und dessen Sprossen den Lüttichern in den Kämpfen gegen die Brabanter und der Krone von Sicilien gegen Arragonien als tapfere Ritter beistanden.

Arnold II. wurde 1320 mit der Herrschaft Mozèt belehnt, Arnold III. war 1363 Grand Bailli der Provinz Namur.

Den Namen Grünne nahm zuerst Anton Herr zu Mozèt an, der die Herrschaft Grünne von seiner Mutter erbte und 1558 starb.

Nicolaus Franz Hemricout de Mozèt, Graf und Herr von Grünne, wirklicher Geheimer Rath und General-Feldzeugmeister, Sohn des Georg Hemricourt de Mozèt, Grafen von Grünne, aus dessen Ehe mit Françoise de Lamberti, war ein Liebling des Kaisers Franz I. und folgte demselben nach Wien.

Er erhielt 1745 bei der Krönung desselben in Frankfurt für sich und sein Geschlecht die erbliche Reichsgrafenwürde und starb, als er eben durch Kauf des Fürstenthums la Roche im Luxemburgischen die reichsfürstliche Würde in die Familie bringen und das Gouvernement von Luxemburg übernehmen wollte.

Den Stamm setzte sein Bruder Philipp Anton fort. Derselbe, gestorben 1753, war mit Anna Theresia Gräfin von Eszterházy vermählt, und aus dieser Ehe entspross Philipp, gestorben 1797, welcher sich mit Christiane von Holstein vermählte und zwei Söhne, Philipp und Carloman, hinterliess, welche den Stamm in zwei Linien, der österreichischen und niederländischen, fortführten.

Der Stifter der österreichischen Linie, Graf Philipp II., gestorben 1854, war mit Rosalia Freiin von Felz vermählt und aus dieser Ehe stammt: Karl Ludwig Graf von Grünne, Herr zu Markt Dobersberg, Illmau, Taxen, Weinzierl und Veste Peigarten, geboren zu Wien am 25. August 1808.

Mit seiner am 23. December 1843 erfolgten Ernennung zum Obersten im Hussaren-Regimente Nr. 2 wurde er zugleich an die Spitze des Hofstaates des Erzherzogs Stephan berufen, dessen Obersthofmeister er unter gleichzeitiger Ernennung zum wirklichen Geheimen Rathe im Jahre 1847 wurde.

Im August 1848 in gleicher Eigenschaft zu dem damaligen Erzherzog Franz Joseph berufen, blieb er nach dessen Thronbesteigung fortan in unmittelbarer Nähe des Monarchen. Mit Cabinetschreiben vom 9. Mai 1849 wurde er zum Oberststallmeister-Stellvertreter ernannt. Am 12. Juli 1850 zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückt und zum ersten General-Adjutanten Seiner Majestät des Kaisers ernannt, übernahm der Graf die Leitung der Militär-Central-Kanzlei.

Diese Würde bekleidete er bis zum Jahre 1859, in welchem er mit Allerhöchstem Handschreiben vom 20. October seines Postens als erster General-Adjutant enthoben und unter Einem zum Oberststallmeister ernannt wurde, unter Beibehaltung der Stelle eines Capitäns der k. k. Leibgarde-Reiterescadron.

Am 18. August 1865 zum Ritter des goldenen Vliesses ernannt, trat er mit 3. November 1875 in den Ruhestand; er ist Inhaber des I. Uhlanen-Regiments, k. k. wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer und lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses.

Der Graf ist seit 16. Mai 1831 mit Caroline Gräfin Trauttmansdorff, der Tochter des gewesenen Oberststallmeisters Fürsten Johann Trauttmansdorff, vermählt, und entstammen dieser Ehe drei Söhne und drei Töchter, wovon der zweitgeborene Sohn, Ferdinand, im Jahre 1866 bei Königgrätz auf dem Felde der Ehre blieb.

Emerich Prinz von Thurn und Taxis (1820-)

Porträt nach einer Kreidezeichnung von Ludwig Michalek nach der Natur.

(XXX) 1875: Emerich Prinz von Thurn und Taxis (* 12. April 1820, † 28. Juli 1900)

Die Genealogie des eben so alten als berühmten Geschlechtes der Fürsten Thurn und Taxis wird durch die sprachliche Verschiedenheit in der Schreibung seines Namens, wie Thurn, de Turri, Torriani, de la Tour, Thurn-Valsassina, Tassis u. s. w., wie durch die im Laufe der Jahrhunderte erfolgte vielfache Verzweigung, Theilung und völlige Trennung der Familien eine ungemein complicirte.

Der Ursprung des Geschlechtes fällt in Zeiten, aus denen keine beglaubigten Urkunden vorliegen.

Als beglaubigt, wird angeführt, Martino I. della Torre, der Riese genannt, regierender Graf von Valsassina und der Riviera di Como, der sich als Begleiter Kaiser Conrad III. auf dessen Kreuzzuge durch ausserordentliche Tapferkeit auszeichnete, aber im Jahre 1147 bei Antiochia in saracenische Gefangenschaft gerieth und als Märtyrer seines Glaubens starb.

Der Vater Martinos, Eriprand de la Tour, war ein fränkischer Ritter, welchem Tacio della Torre die Hand seiner Erbtochter nebst Wappen und Besitzungen gab. Eriprand führte schon die goldene Lilie im blauen Felde im Wappen, wie sie die Familie noch heute führt, und war ein Sprosse aus dem Mannsstamme Karls des Grossen und weiblicherseits ein Abkömmling der Herzoge von Burgund.

Anerkannt wurde diese Abstammung durch ein von Kaiser Ferdinand III. dem Hause ertheiltes Diplom vom 24. December 1650, sowie durch ein zweites vom 4. October 1695, mit welchem Kaiser Leopold I. die älteste Linie des Hauses Thurn und Taxis zur reichsfürstlichen Würde erhob.

Lamoral, des reichen Guido jüngster Sohn, liess sich 1313 in der Valle del Cornello im Gebiete von Bergamo nieder und führte von dem ihm zugehörigen Berge Tasso (Dachsberg), auf dem sein Schloss (Torre) erbaut war, den Namen Tasso. Er war vermählt mit Catharina, einer Tochter des Fürsten von Bergamo aus dem Hause Suardi, wurde der Stifter der Linie della Torre und Tassis, starb 1332 und wurde in der von ihm erbauten Kirche Santa Maria della grazia beigesetzt.

Roger, Kammerherr und Oberstjägermeister unter Kaiser Friedrich III., gestorben 1456, führte das deutsche Postwesen ein und Freiherr Francesco de la Tour war am 6. November 1597 der erste kaiserliche Generaldirector der Posten im Reiche und in den Niederlanden, welches Amt in der Folge für seinen Sohn, den Grafen Lamoral Claudius Franz, zu einem Reichslehen gedieh. Für seine Treue und Anhänglichkeit erhielt Francesco von König Philipp I. von Spanien die Wappendevise: »perpetua fide«, welche die ganze Familie beibehielt. Fürst Alexander Ferdinand wurde am 30. Mai 1754 in das Reichsfürsten-Collegium eingeführt, nachdem das Reichs-Erb-General-Postmeisteramt 1714 zu einem kaiserlichen Thronlehen und Reichsfürstengute erhoben worden war.

Emerich Prinz von Thurn und Taxis, geboren 12. April 1820 [zu Prag], ein Sohn des Fürsten Karl Anselm aus dessen Ehe mit Maria Isabella, gebornen Gräfin von Eltz, trat schon in jungen Jahren in die kaiserliche Armee und wurde im Jahre 1854 zum Obersten und Commandanten des 7. Uhlanen-Regiments ernannt.

Am 8. Juli 1859 zum Generalmajor und Brigadier bei dem 1. Kavallerie-Armeecorps vorgerückt, wurde er dann Commandant der Central-Cavallerieschule, 1865 zugleich in dieser Eigenschaft Brigadier im II. Armeecorps, 1866 Cavallerie-Brigadier zu Pressburg und am 25. Juli desselben Jahres Feldmarschall-Lieutenant und Cavallerie-Divisionär zu Lemberg, am 24. October 1876 General der Cavallerie und zweiter Inhaber des 1. Dragoner-Regiments.

Mit Allerhöchstem Handschreiben vom 4. November 1875 zum Oberststallmeister und Capitän der k. k. Leibgarde-Reiterescadron ernannt, bekleidet der Prinz, der auch wirklicher Geheimer Rath und Kämmerer ist, gegenwärtig noch diese Würden.

Im Jahre 1876 wurde er Inhaber des III. Husaren-Regiments, am 19. December 1877 lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses, am 13. April 1878 Ritter des goldenen Vliesses, mittelst Bulle ddo. Rom, 15. Mai 1878, Ehrencomthur des souveränen Johanniterordens.

In der Schlacht bei Temesvar am 9. August 1849 wurde der Prinz schwer verwundet.

Seine Gemahlin Lucie Gräfin Wickenburg, mit welcher er sich am 27. Juni 1850 vermählte, verlor er schon am 3. April 1851 durch den Tod.

[Er starb am 28. Juli 1900 zu Bad Gleichenberg in der Steiermark/Österreich.]