Kaiserin Elisabeth

Am 24. Dezember 2017 wäre Kaiserin Elisabeth 180 Jahre alt geworden

Zum Jubiläum ein Artikel aus der Monatsschrift der kais. königl. Heraldischen Gesellschaft „Adler“ vom November 1898 anlässlich ihres Ablebens.

MONATSBLATT DER KAIS. KÖN. HERALDISCHEN GESELLSCHAFT „ADLER“

Nr. 215 – Wien, November 1898 – IV. Bd., Nr. 35

Mittheilung der Gesellschaft.

Der Vorstand der k.k. Heraldischen Gesellschaft „Adler“ veranstaltet in seiner ersten, nach Schluss der Ferien und Wiederaufnahme seiner statutenmäßigen Thätigkeit am 5. October 1898 stattgehabten Sitzung eine Trauerkundgebung anlässlich des Ablebens Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin.

Unter Vorsitz Seiner Excellenz des Präsidenten Grafen von Pettenegg versammelten sich der Vice-Präsident Freiherr von Haan und die Vorstandsmitglieder Dr. Ritter von Bauer, Bauernfeld, Nepalleck, Ritter von Schlechta, Dr. Ritter von Schullern, Ritter von Siegenfeld, Dr. Witting, Graf Wolkenstein.

Seine Excellenz der Präsident hielt nachfolgende Ansprache, welche von den Anwesenden stehend angehört wurde:

„Die k. k. Heraldische Gesellschaft und ihre Mitglieder, schon durch die Wissenszweige, welche sie pflegen, doppelt innig mit den Geschicken des Allerhöchsten Erzhauses vereint, hat die Schreckensthat vom 10. September auf das Tiefste erschüttert. Unsere Allergnädigste Kaiserin und Königin, Allerhöchstwelcher stets der Glanz der Krone eine ängstlich gemiedene Last war, die nur in Wohlthaten Ihre Macht zeigte, gerade diese erhabene Frau musste ein Opfer jener ruchlosen Secte werden, die vor keinem Mittel zurückscheut, um die Großen dieser Erde in Furcht und Schrecken zu versetzen und ihre verabscheuenswerten Tendenzen zu verbreiten. Durch dieses in der Geschichte unerhörte Ereignis wurde unser Allergnädigster Kaiser und Herr auf das Schwerste betroffen. Raubte es ihm doch die heißgeliebte Gattin, die liebevolle, milde Trösterin in vielen trüben, schweren Stunden. Dem Worte der Schrift zufolge, dass Gott die liebt, die er heimsucht, muss unser Allergnädigster Monarch der Liebe Gottes wohl am nächsten stehen! Dieser Gedanke ist es auch allein, der uns tröstet, uns aufrichtet und die sichere Hoffnung gibt, dass der Allmächitge, um das wir alle aus tiefstem Herzengrunde beten, Ihm Kraft und Stärke verleihe, alle diese schweren Schicksalsschläge ungebrochen zu ertragen, Ihn erhalte und segne als einzigen Hort und Stützpunkt Österreichs, als den allverehrten und geliebten Vater seiner Völker!

Ich komme gewiss nur Ihren Wünschen und Gedanken zuvor, wenn ich Sie bitte, diese ehrfurchtsvollste Beileidskundgebung der k. k. Heraldischen Gesellschaft in geeigneter Weise zur Allerhöchsten Kenntnis bringen zu dürfen.“

Hierauf beschloss der Vorstand einstimmig, an Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit den Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog-Protector die ehrfurchtsvolle Bitte zu richten, die Trauerkundgebung der Gesellschaft gnädigst zur Kenntnis nehmen und in geeigneter Wiese an die Stufen des Allerhöchsten Thrones leiten zu wollen. Die Sitzung wurde sohin zum Zeichen der Trauer sofort geschlossen.

In Ausführung dieses Sitzungsbeschlusses wurde Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit eine Abschrift des Sitzungs-Protokolles unterbreitet und obige Bitte vorgetragen.

Hierüber ist dem Vorstande folgendes Schreiben zugekommen:

Nr. 740. Seine k. u. k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Ludwig Victor, Protector der k. k. Heraldischen Gesellschaft „Adler“, haben über die unterm 6. October berichtete Trauerkundgebung der Gesellschaft in der am 5. October stattgefundenen Sitzung, Seiner Majestät dem Kaiser allerunterthänigsten Bericht erstattet und Seine Majestet geruhten denselben huldvollst dankend entgegen zu nehmen.

Wien, 8. October 1898

Wimpffen F.M.L., Obersthofmeister

An das löbliche Präsidium der k. k. Heraldischen Gesellschaft „Adler“ Wien.