Heraldik und Wappen

Das Wappen ist ab dem 12. Jahrhundert ein auf Ritterrüstungen angebrachtes Zeichen einer Einheit oder Gruppe von zusammengehörenden Kämpfern, später ein erbliches und bleibendes Zeichen einer Person, Familie, Körperschaft oder Stadt und Land. Von Anfang an entwickelte sich im Gebrauch der Zeichen ein System von Regeln zum Bestimmen einzelner Bilder, die Heraldik, mit den Heroldsbildern und der Trennung von verschiedenfarbigen Flächen durch verschieden gezogene und geformte Linien.

Die Anbringung der Abzeichen – am Anfang frei an jedem Teil der Bewaffnung möglich (z.B. am Waffenrock, den Rossdecken) – wurde auf den Schild eingeengt und später zusätzlich auf den Helm (Helmzier).

Der Begriff „Wappen“ hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen Wort „wafen“ (= Waffen). Er bezieht sich also auf den militärischen Gebrauch von Wappen. Nicht nur im deutschen Sprachraum sondern auch im französischen „armoires“, englischen „arms“, italienischen bzw. lateinischem „arma“ und im schwedischen „vapen“ ist dieser Zusammenhang zu erkennen. Diese Funktion des Wappens ist schon in den ersten literarischen Werken, wie zum Beispiel bei Walter von der Vogelweide, der schreibt „herezeichen an dem schilte“, nachzuweisen.

Die Symbolsprache des Wappens bzw. des Wappenzeichens wurde im Laufe der Zeit im Leben des Adels immer wichtiger. Das Wappen wurde zu einer Personifizierung des Trägers. In bestimmten Fällen konnte es ihn sogar ersetzen, wobei das Symbol des Schildes mit einem Wappen anstelle des nicht anwesenden Inhabers so persönlich behandelt wurde, dass es auch juristisch belangt werden konnte wie z.B. die Schildträger in einer Prozession, der Schild im Gerichtssaal, wenn der Feudalherr nicht anwesend war, oder im negativen Sinne, die Ausstellung des Schildes auf dem Pranger und schließlich das Zerbrechen des Schildes über dem Grab des Verstorbenen. Es war ein imaginäres, aber wichtiges Gut der Familie. Um das Wappen, dem gemeinsamen Abzeichen, scharte sich die Familie, aber auch die Gemeinde, die Körperschaft. Es schuf eine gemeinsame Identität.

Da das Wappen im Laufe der Zeit das häufigste Siegelmotiv wurde, führten im 14. Jahrhundert bereits alle Siegelberechtigten ihr eigenes Wappen. Es entwickelte sich so von einem militärischen Zeichen zu einem Repräsentations- und Standeszeichen.

Wappen wurden in den meisten Fällen eigenmächtig angenommen. Da das Wappenrecht vorerst unabhängig vom Geburtsstand war, folgten in vielen Fällen erst nachträgliche Bestätigungen und Verleihungen. Im Laufe der Zeit wurde die Wappenverleihung allerdings als Regalienrecht des Kaisers und Königs zur Auszeichnung oder Belohnung verdienstvoller Personen oder auch Institutionen angesehen. So stellten souveräne Fürsten oder von ihnen ernannte Hofpfalzgrafen, als Notare des Souveräns, Wappenbriefe aus, mit denen Personen geehrt wurden. Deren Inhalt wurde schon in der Kanzlei Karls IV. als Formular festgelegt und änderte sich praktisch bis 1806 nicht.

Die Heraldik ist die Lehre von der Form und dem Gebrauch der Wappen. Der Ausdruck leitet sich vom „Herold“ ab, im Mittelalter der Ausrufer, der fürstliche Bote, der u. a. für die Wahrung der ritterlichen Formen zu sorgen hatte und dem die Obliegenheiten des Wappenwesens anvertraut waren. Im Deutschen unterscheidet man zwischen Wappenkunde, die sich mit dem heraldischen Regelwerk und der Wappenkunst, die sich mit der Qualität der graphischen Ausführung beschäftigt.

Der wichtigste Bestandteil des Wappens ist der Schild. Als zweiter wesentlicher Teil gilt der Helm mit der Helmzier oder Kleinod und den Helmdecken. Mitunter treten auch andere Kopfbedeckungen an seine Stelle. Ergänzend können die so genannten Prunkstücke hinzutreten, wie z. B. Rangkronen, Schildhalter, Wappenmäntel oder – zelte, Devisen und Ordensketten.

Die heraldische Fachsprache war ursprünglich französisch. Die Terminologie der anderen Sprachen sind Übernahmen oder teils recht ungeschickte Übersetzungen aus dem Französischen. Besonders die Deutsche Terminologie zeichnet sich durch starke Schwankungen über die Zeiten und einen oft unnötigen Wortreichtum aus.