Beschreiben eines Wappens

Das Beschreiben eines Wappens gemäß der heraldischen Terminologie heißt Blasonieren. Auf Grund einer korrekten Blasonierung ist es möglich den Wappenschild ohne eine Vorlage richtig zu zeichnen.

Zur Beschreibung dienen:

  • die Farben (Tinkturen)
  • die Metalle
  • die Pelze

Es sind nur neun Farben (in der Heraldik Tinkturen genannt) zugelassen, davon fünf eigentliche Farben, zwei Metalle und zwei Pelzarten.

Die Farben:

Rot (französisch: gueules; englisch: Gules; graphisch: senkrechte Linien)
Blau (azure; Azure, waagrechte Linien)
Schwarz (sable; Sable; gegittert oder schwarz gefärbt); in den ältesten Zeiten statt dessen Braun
Grün (sinople; Vert; Diagonale Linien von links oben nach rechts unten)
Purpur (pourpre; Purpure; Diagonale Linien von rechts oben nach links unten); diese Farbe wurde im deutschen Raum fast nicht verwendet und deutet immer auf eine Herkunft des Wappens aus anglo-französischem Raum hin.

Die Metalle:

Gelb/Gold (or; Or; gepunktet)
Weiß/Silber (argent; Argent; weißes Feld)

Gelb und Gold oder Weiß und Silber kann ohne Bedeutungsunterschied gebraucht werden. Allerdings wurde in der Kanzleiheraldik, der Heraldik ab dem 16. Jahrhundert, jenem Zeitraum in dem Wappenbriefe und Wappenbestätigungen von den Hofkanzleien ausgestellt wurden, oft eine Wappenbesserung dadurch vorgenommen, dass die Farben Gelb und Weiß der bürgerlichen Wappen auf Gold und Silber im Zuge der Erhebung in den Adelsstand geändert wurden. Ab diesem Zeitpunkt ist wohl mit Fug und Recht von einer Gleichwertigkeit der Metalle und der entsprechenden Farben nicht mehr zu sprechen.

Die Pelze:

Hermelin (hermine; Schwarze Schwänzchen in verschiedener graphischer Gestaltung der Befestigung auf silbernem oder weißem Grund); Die Farben Schwarz und Weiß können auch durch andere Farben, Gold auf Schwarz, Schwarz auf Gold usw. ersetzt werden und werden in diesem Sinne auch anders bezeichnet (blasoniert) als Gegengoldhermelin oder Goldhermelin.
Feh (fair; graphisch meist in Form von so genannten Eisenhütchen dargestellt). Die graphische Gestaltung dieser Pelzform ist nahezu grenzenlos. Man benennt sie nach der Ausbildung der Trennungslinien Eisenhutfeh, Wolkenfeh, Zinnenfeh, Krückenfeh u. v. m.

In der Anordnung der Tinkturen gilt, dass nicht Farbe an Farbe und nicht Metall an Metall stoßen soll. Auch hier gibt es verschiedene Ausnahmen. In der kirchlichen Heraldik ist die gleichzeitige Verwendung von Gold und Silber z.B. durchaus üblich und sogar ein Hinweis auf die Herkunft des Wappens. Ebenso wurde in der bereits genannten Kanzleiheraldik oft bei bürgerlichen Wappen, offensichtlich bewusst, die Regel, dass Farbe nicht an Farbe stoßen sollte, vermieden, um einen Unterschied zum adeligen Wappen darzustellen. Auch hier ergab sich für die Wappenbesserungen vielfältige Möglichkeiten.

Die verschiedenen Schildformen sind heraldisch bedeutungslos und wechseln entsprechend den Strömungen von Mode und Stilen. Sie können jedoch in ihrer Gestaltung durchaus für den Kunsthistoriker einen Hinweis auf den Zeitraum der Herkunft oder der Entstehung eines Wappens liefern.

Die Positionen auf dem Schild sind Rechts und Links vom Schildträger aus gesehen. Für den Betrachter also seitenverkehrt. Neuere heraldische Terminologien benutzen statt dessen die Bezeichnungen „Vorne“ (für heraldisch rechts, vom Betrachter her links) oder „Hinten“ (für heraldisch links, vom Betrachter her rechts), um diese heute unverständliche Bezeichnung zu umgehen.

Die rechten/oberen Teile des Schildes (heraldisch gesehen) gelten als vornehmer als die linken/unteren Teile. Die Blasonierung erfolgt immer von rechts nach links und von oben nach unten. Außerdem wird der Schild noch in verschiedene Hauptstellen unterteilt, wie Haupt – Oben, Herzstelle – Mitte, Fuß – Unten und alle Kombinationen davon mit den Seiten rechts oder links.

Die Unterteilungen des Schildes durch verschieden geformte Linien allein heißen Heroldsbilder. Die Abbildungen, die in den Schild gesetzt werden „Gemeine Figuren“. Man unterscheidet dabei natürliche, künstliche und erdichtete Figuren. Natürliche Figuren sind, Menschen Tiere, Pflanzen (auch die heraldische Lilie und Rose) und Naturerscheinungen oder Teile von ihnen. Künstliche Figuren sind die Vielzahl der Kreuze, Waffen, Werkzeuge und Erzeugnisse. Zu den erdichteten Figuren zählen Fabelwesen wie Greif, Drache, Einhorn, Melusine, Pegasus und Kombinationen Tier – Mensch und Tier – Tier, sowie Personifikationen wie Heilige, Engel u. s. w. Natürliche Figuren müssen nicht in ihrer natürlichen Farbe wiedergegeben werden. Es wird in der Heraldik vor der Verwendung der „natürlichen Farben“ immer die heraldisch entsprechende Farbe verwendet. Für den Wolf statt Grau Schwarz oder Silber, für Rotwild Rot, für den Bären statt Braun Schwarz u. s. f. Die Wiedergabe der Figuren in ihrer natürlichen Farbe erfolgt ebenfalls erst in der Zeit der Kanzleiheraldik, sie wird graphisch wie Silber ohne Farbton dargestellt und in den entsprechenden Urkunden nur mit dem Hinweis „in ihrer natürlichen Farb“ beschrieben.

Das so genannte Oberwappen wird durch Helm und Helmdecken, Helmbausch oder Helmkrone und die Helmzier gekennzeichnet. Der ursprüngliche Helm ist der aus dem Topfhelm hervorgegangene Kübelhelm oder auch geschlossene Helm oder Stechhelm. Dessen Helmdecken sind Stoffbahnen in den Farben des Wappenschildes, wobei die Metalle, Gold oder Silber, immer an der Innenseite der Bahnen zu finden sind. Im 15. Jahrhundert wird der Stechhelm immer mehr durch den offenen Bügel- oder Spangenhelm ersetzt. Der offene Helm ist ebenfalls ein Teil der Wappenbesserungen. Das bürgerliche Wappen zeigt den geschlossenen Stechhelm, das adelige Wappen den offenen Bügel- oder Spangenhelm, der Helm wird bei der Verbesserung des Wappens „geöffnet“. Die Helmdecken zeigen im Laufe der Zeiten immer stärkere Einschnitte und Verzierungen, bis sie endlich eher einem ornamentalen Laubwerk ähneln.

Der Helm trägt bei bürgerlichen Wappen den Helmwulst, – gewundene Stoffbahnen in den Farben des Schildes -, bei adeligen Wappen die Laubkrone.

Auf der Oberseite des Helmes wird die Helmzier gezeigt. Im einfachsten Falle sind dies Adlerflügel oder Hörner in den Farben des Schildes oder, bei Heroldsbildern im Bild des Schildes. Bei „gemeinen Figuren“ wird die Figur des Wappenschildes in gleicher oder abgewandelter Darstellung gezeigt.

Wappenarten:

  1. Bürgerliche Wappen:
    Wappen von Bürgern die keinen Adelstitel besitzen. Es wird durch den geschlossenen Stechhelm und den Wulst gekennzeichnet.
  2. Adelswappen:
    Wappen das nur adeligen Familien zugehört. Seit ca. 1450 darf dieses Wappen allein den offenen Bügel- oder Spangenhelm mit Laubkrone tragen. Rangkronen wie die Freiherren- oder Grafenkrone werden entweder statt der Laubkrone der einfachen Adeligen oder unter dem Helm gezeigt.
  3. Stadtwappen:
    Diese Wappen zeigen oft keinen Helm, jedoch eine Mauerkrone.
  4. Redende Wappen:
    Wappen deren Darstellungen („gemeine Figuren“) in Bezug zum Namen des Trägers stehen.
  5. Allianzwappen:
    Entstehen durch die Verbindung zweier verschiedener Wappen durch Heirat oder sonstige Beziehungen, wie Adoption, Kauf von Herrschaften und so fort. Es werden entweder die beiden Wappen gemeinsam nebeneinander dargestellt (das vornehmere oder ältere vorne, bzw. heraldisch rechts) oder auch durch Vereinigung der Wappen in einem Schild, wobei wieder dem vornehmeren die besseren Plätze (bei geviertem Wappen die Plätze 1 und 4) zugewiesen werden. Bei der Stellung der Wappen nebeneinander, wie es bei Heiraten üblich war, ist immer das heraldisch rechte (vom Betrachter her linke) Wappen das des Mannes, das andere das der Frau. Das gemeine Wappenbild wird dabei oft gespiegelt dargestellt, nämlich zum Wappen der Frau gerichtet. Aus dem Hirsch, der nach heraldisch rechts (oder „nach vorne“) springt, wird ein Hirsch, der nach links oder hinten, zum Wappen der Frau springt.

Literatur:

  • Gert Oswald, Lexikon der Heraldik, Bibliographisches Institut Mannheim (Meyers Lexikon-Verlag), 1984
  • Donald L. Galbreath, Jequier Leon, Handbuch der Heraldik, Battenberg Verlag, 2. Auflage, Augsburg, 1989
  • Ottfried Neubecker, Heraldik, Wappen – Ihr Ursprung, Sinn und Wert, Battenberg Verlag, Augsburg, 1990
  • Walter Leonhard, Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag, München, 1978